Wann es soweit sein wird, weiß keiner so genau. Ich auch nicht. Und es ist auch nicht wichtig. Nicht hier auf Bali. Wo die Dinge dann geschehen, wenn sie geschehen sollen.
In Deutschland hingegen würde die Planung schon Jahre im Voraus beginnen: Location finden, Essen bestellen, Einladungskarten drucken lassen. Hier ist das nicht nötig. Es wird eh jeder kommen. Denn das Leben findet im Hier und Jetzt statt, und braucht keine lange Planung. Die Feste werden gefeiert, wie sie fallen. Und alle sind dabei. Wie wir. Auf unserer ersten Balinesischen Hochzeit.
Wir reisen dafür extra spontan von Flores zurück nach Bali. Um das große Ereignis nicht zu verpassen. Unsere Freundin Kadek hat uns eingeladen. Zur Hochzeit ihres Cousins. Und zum Übernachten bei ihrer Familie. In einem Hinterhof. Mitten im Dschungel. Zwischen Hühnern und Bananenpalmen. Ohne fließendes Wasser. Eine halb gefüllte Regentonne muss reichen. Und ein Bett für drei. Plus zwei Hunde.

Ubud/ Bali
Es reicht. Ich bin dankbar. Maxi glücklich. Mit dreckigen Füßen jagt er den Hühnern hinterher. Sitzt abends vor der Tonne, und wäscht sich mit ein paar Tropfen Wasser die Hände. Die bleiben schwarz, sein Gesicht hellt sich auf.
Schön hier, oder Mama?
Ja, das ist es. Denn es kommt von Herzen, dass wir hier sein dürfen. Bei einer Familie, die den ganzen Tag auf dem Reisfeld steht. Und abends gemeinsam vor der Hütte sitzt und die Bananenblätter für die Opfergaben faltet. Weniger ist mehr. Ganz anders beim Heiraten auf Balinesisch.
Selamat makan!
Wie in einem kleinen Bienenstock wirbeln am nächsten Morgen alle umher. Die Vorbereitungen laufen seit zwei Tagen. Alle Nachbarn helfen mit. Kadek ist extra um 3 Uhr in der Nacht aufgestanden, um die letzten Sachen zu organisieren. Die erste Zeremonie beginnt um 7 Uhr. Wir verschlafen. Wachen pünktlich zum Frühstück auf.
Die Balinesen sind sonst eher ein bisschen unorganisiert. Wenn es um Feste und Zeremonien geht, läuft allerdings alles wie am Schnürchen. Jeder kennt seinen Platz, und packt mit an. Knoblauch hacken. Gemüse schneiden. Bananenblätter putzen. Saté Spieße wenden. Opfergaben vorbereiten.

Ubud/ Bali
Zwischendurch wird immer wieder gegessen. Reis mit Gemüse, Fleisch, Erdnüsse, scharfe Soße, Tofu… Mehr als köstlich. Mittlerweile achte ich eigentlich gar nicht mehr darauf, was wir essen. Unsere Mägen haben sich so an die indonesische „Sauberkeit“ gewöhnt, dass selbst ungewaschenes Obst oder Zähne putzen mit Leitungswasser kein Problem mehr ist.

Ubud/ Bali
Das Essen nimmt auf Balinesischen Hochzeiten einen wichtigen Platz ein. Wie in Deutschland. Allerdings nicht an einem großen Tisch, sondern eher unorganisiert. Jeder sitzt einfach dort, wo er möchte. Ohne Platzvergabe. Auf Plastikstühlen. Oder auf dem Boden. Hauptsache zusammen. Und wir mitten drin. Die Hände voller Reis, den Mund mit Erdnusssauce verschmiert. Max rennt mit den anderen Kindern umher. Stopft sich Bananenbrot in den Bauch, und spuckt Indonesische Wörter aus. Wären die Haare nicht so blond und die Haut so hell, er würde fast gar nicht mehr auffallen.
Bunt ist das Balinesische Weiß
Die vielen Farben tun es dafür umso mehr. Vom Gemüse über die Kleidung bis hin zu der wunderschönen Dekoration. Der bunte Ort erschlägt mich fast. Vor Freude. Schwarze Anzüge oder weiße Kleider trägt hier niemand. Rot, grün, blau, rosa… Die Sarongs der Frauen sehen aus wie ein Regenbogen. Leuchtend. Und die Dekoration strahlt mit ihnen um die Wette.

Ubud/ Bali
Überall sind Blumenketten aufgehängt. Der Eingang mit imposanten Stoffen verkleidet. Selbst die Stühle sind türkis. Und der Himmel blau. Es duftet wie in einem Fleurop Lieferwagen. Nach Sommer und Sonne. Denn die scheint den ganzen Tag. Gefeiert wird natürlich draussen. In einem typisch Balinesischen Hinterhof, den sich mehrere Familien teilen.
In der Mitte ein hauseigener Tempel. Davor ein Podest. Wie eine kleine Theaterbühne, auf der das Brautpaar mit dem Priester sitzt. Der Ort, oder das Paar? Wer von beiden mehr dekoriert ist, fällt mir schwer zu erkennen.
Augsburger Puppenkiste meets Wahl zur Miss Bali
Ein bisschen erinnert es mich das Ganze schon an Karneval. Oder eben Puppentheater. Die (Ver-) Kleidung. Die Schminke. Die Frisuren. Das Brautpaar.
Warum sehen die selber aus wie ein Tempel?
Das liegt wohl an der imposanten Kopfbedeckung. Dem vielen Gold. Den großen Ohrringen. Dem glitzernden Sarong. Den stark geschminkten Augen. Dem dick aufgetragenen Make-up. Braut und Bräutigam. Beide gleich.

Ubud/ Bali
Schön? Nicht schön? Ich bin mir unsicher.
Und dennoch fasziniert von dem Stolz und der Ruhe, die das Paar ausstrahlt. Es ist ihr großer Tag, doch sie könnten nicht entspannter umher laufen. Jeden Gast begrüßen. Mindestens ein paar Minuten in Ruhe zusammen sitzen. Sogar jeden einzeln zum Buffet führen. Immer wieder freundlich lächeln. Balinesische Gemütlichkeit, inmitten dieses perfekt organisierten Chaos.
Reis mit Huhn anstatt Torte
Am Nachmittag findet die zweite große Zeremonie statt. Doch auch das artet nicht in Stress aus. Jeder bleibt dort sitzen, wo er ist. Unterhält sich weiter. Blickt ab und zu nach oben.

Ubud/ Bali
Die Kinder spielen, während Braut und Bräutigam auf der Bühne Platz nehmen. Der Priester in der Mitte. Mit einer Glocke in der Hand. Immer wieder läutet er minutenlang, bevor er zu den Beiden spricht. Die gehen zwischen Bühne und Tempel hin und her, setzen sich auf den Boden. Beten gemeinsam. Werden gesegnet. Mit einem Kokosblatt, das ihnen um den Kopf gebunden wird. Bis sie sich die ewige Treue schwören und gegenseitig mit Reis und Hühnchen füttern. Ohne Tränen. Ohne Drama. Souverän und entspannt. Balinesisch.

Ubud/ Bali
Danach wird noch einmal gegessen, bis die ersten Gäste nach Hause gehen. Als Dank gibt es eine Care Paket mit Essen für daheim mit. Dass jemand an diesem Abend noch Hunger haben könnte, ist mir fragwürdig. Eher Durst. Denn sobald die älteren Gäste weg sind, sitzen die jungen zusammen. Hören Musik. Trinken sogar Alkohol. Allerdings nur die Männer.
Wir liegen zu diesem Zeitpunkt schon im Bett. Mit zwei Hunden an den Füßen und einer strahlenden Balinesin an unserer Seite. Die so glücklich ist, dass wir es zu der Hochzeit geschafft haben. Trotz fehlender Planung. Und zu ihrer Familie. Trotz fehlendem Luxus.
Obwohl wir gerade den in den letzten zwei Tagen in seiner schönsten Form erfahren durften. Zwischen Hühnern und Bananenpalmen. Ohne fließendes Wasser. Dafür mit einer Herzlichkeit und Gastfreundlichkeit, die halten wird. Auch wenn uns unser Ticket nach Australien scheidet. Weit darüber hinaus. Ohne jede Planung.
Durftest Du auf Reisen mit Deinem Kind auch schon einmal an einem typisch einheimischen Fest teilnehmen?
Haha, dann steckt in mir ja ein Stück balinesische Lebensart! Ich habe unsere Hochzeit in weniger als die Hälfte der Zeit als du deine Balireise geplant, hab ein braunes Kleid getragen und knallbunte Schuhe, alles war bunt und voller Blumen, sogar die Stühle, die Menschen saßen wo sie wollten, es gab den ganzen Tag zu essen, auch auf die Hand, und viele haben davon was mit nach Hause mitbekommen!
Für meine Verhältnisse hatte ich ziemlich viel make up drauf, und einige Gäste schliefen auch auf Matratzen am Boden, meine Eltern sogar mit einem Kind in der Mitte und einem Hund zu den Füßen. Allerdings hatten wir genug fließend Wasser von oben. Es gab kein Drama, nur Freudentränen und alle kamen, ganz spontan, ganz ohne große Planung und gaben uns ein großes Stück ihres Herzens und ihrer Liebe und Freundschaft! Alle halfen mit um einen Tag und eine Nacht für immer unvergesslich zu machen! Ein wirklich schöner und inspirierender Artikel Janina! Ganz ganz Liebe Grüße
Superschön was ihr da erleben durftet, danke fürs Teilen!!!
Ich bin so neidisch 🙂
LG Christina
🙂