Die Lichterkette draussen am Fenster funkelt wie kleine Sterne. Mein Herz glänzt ebenfalls. Vor Freude. Max sitzt neben mir. Vor sich den dritten Teller Nudeln. Das Gesicht mit grünem Pesto verschmiert. Die weiße Pasta findet aufgerollt auf eine Gabel den Weg in den schmatzenden Mund. Roter Wein nähert sich meinen Lippen. Grün. Weiß. Rot. Die Farben der Italienischen Flagge strahlen uns seit ein paar Tagen entgegen. Und das, obwohl wir noch in Amerika sind. Kalifornien. North Beach. San Francisco mit Kind.
Das Coole an San Francisco ist, dass hier die ganze Welt ist. China. Mexiko. Italien. Super praktisch, Mama!
Vor Allem super schön. Denn seitdem ich das erste Mal in San Francisco war, habe ich mich in die Stadt verliebt. Seitdem Max und ich auf Reisen sind, wollte ich sie ihm zeigen. Jetzt ist es so weit. Endlich. Mit Verspätung. Aber immerhin. San Francisco läuft nicht weg. Mein Glücksgefühl auch nicht.
Beste Freunde, beste Lage
Vor ein paar Jahren hatte ich hier auf einer Bank gesessen. In einem Park. Ein frisches Focaccia in der Hand. Einen alten Einheimischen neben mir. Typisch Amerikanisch fangen wir an über Oberflächlichkeiten zu quatschen. Untypisch Amerikanisch werden wir Freunde. Und bleiben es. So sehr, dass ich mittlerweile zum wiederholten Male hier bin. Jedes Mal mit dem selben Fixpunkt. Little Italy. Mitten im Geschehen. In Laufweite zu Allem. In einem kleinen Apartment, das den Rest des Jahres leer steht. Ich jederzeit beziehen darf. So lange ich mag. So oft ich mag. Maxi inklusive. Zum ersten Mal.

North Beach/ San Francisco
Und so kommt es, dass ich richtig aufgeregt bin. Gar nicht weiß, wo ich anfangen soll. I lost my heart in San Francisco. Und anscheinend bin ich nicht die Einzige. Die ersten Tage wandern wir einfach so herum. Bergauf, bergab. Max meistens auf seinem Skateboard. Ich noch etwas humpelnd hinterher. Das typische Program. Und doch so besonders. Denn ich merke, wie die kleinen Augen immer größer werden. Es klappt, „San Fran“ ist ansteckend.
Dim Sum, rote Lampions und immer wieder Chinatwon
Wuselig, voll, hektisch und nicht gerade wie eine Blumenwiese duftend. Chinatown ist speziell. Chinatown ist anstrengend. Chinatown ist dreckig. Doch Chinatown ist auch Max’ Lieblingsplatz in San Francisco. Ich weiß nicht, ob es an den vielen Menschen liegt, an den unzähligen Strassenständen oder den interessanten Auslagen in den Chinesischen Supermärkten. Doch Max will immer wieder hin. Mindestens einmal am Tag. Mindestens so lange es geht. Am Liebsten bis zum Abendessen.

Chinatown/ San Francisco
Im Vergleich zum Rest von San Francisco ist es hier glücklicherweise eher günstig. Essen für uns Beide durchaus bezahlbar und äußerst lecker. Reis, Gemüse, Tofu und grüner Tee bis zum Umfallen. Alles serviert auf runden Tischen mit runden Drehplatten, die von kleinen Händen mit großem Schwung bewegt werden können. Zum Nachtisch gibt es Glückskekse. Und ein Abschiedsfoto mit Asiatischer Bedienung und Europäischem Kind, das brav seine in Taiwan erlernten Bröckchen Chinesisch runter rattert. Zur Belohnung noch mehr süßes Gebäck, noch mehr schlaue Sprüche. Hände voll.
Mexikaner, Max und Max in einer Mission
Und die bleiben im Mexikanischen Teil der Stadt besser in meiner Nähe. Die Unterschiede sind schon traurig zu beobachten. Vom geschniegelten Little Italy, über das eher chaotische Chinatown bis hin zur recht süffigen Mission. Obdachlose, Drogenabhängige und Strassen, die vor Dreck nur so triefen. Nur das Essen hält, was es verspricht. Es ist eben Mexiko. Ein bisschen. Und Kunst. Ein bisschen. Denn die berühmten Wandmalereien ziehen Maxi in seinen Bann. Warten mit einer tollen Überraschung auf uns. Wo die wilden Kerle wohnen. Wo die wilden Kerle skaten. Max trifft auf Max, und das ganz ungeplant. Wenn auch nur für ein paar Stunden. Denn als es Abend wird sind wir bereits wieder weg. Mit gefüllten Bäuchen und der prallen Erkenntnis, das die Situation für viele Menschen in San Francisco nicht gerade besser wird. Eher schlechter. Wie traurig.

Mission District/ San Francisco
Denn neben den ganzen tollen Orten, an denen sich die Touristen tummeln oder Twitter und Co. mit den modernsten Büroräumen glänzen, gibt es auch eine andere Seite von San Francisco. Die zwar schon immer vorhanden war, mittlerweile aber immer präsenter wird. Bereits tagsüber, wenn wir durch kleinere Strassen schlendern. Oder an nicht so berühmten Plätzen kurz Pause machen. Dann liegen sie dort. Direkt vor uns. Auf der Wiese. Unter den Bäumen. Eingepackt in zerrissene Schlafsäcke. Drapiert auf durchgeweichte Pappkartons. Die Obdachlosen, die ihre Geschichten nicht in 280 erzählen können. Anscheinend werden sie mit One Way Tickets nach San Francisco verschickt. Denn hier seien nicht nur die Temperaturen sondern auch die Menschen loyaler als im restlichen Teil des Landes. Hoffentlich. Immer noch.
Und endlich: Die Golden Gate Bridge
Roter Wein, rote Lampions, rote Brücke. Es zieht sich durch wie der passende Faden und schließlich landen wir dort, wo wir den Haken auf unsere Liste setzen können. Max großer Traum war es einmal über die Golden Gate zu cruisen. Fahrrad, Auto, ganz egal. Am Ende wird es das Skateboard. Am Ende kommen wir nur bis zur Mitte. Ziemlich windig. Ziemlich laut. Und trotzdem toll. So wie Alles andere, was wir in den Tagen hier erleben. Ob touristisch oder nicht, ob spektakulär oder eher langweilig.
Abends liegen wir völlig erledigt in unserem Bett. Gespickt mit tollen Erlebnissen, garniert mit wundervollen Erinnerungen. Städtetrips mit Kind sind für mich immer ein Highlight. San Francisco mit Maxi um so mehr.
Wo sind eigentlich die Blumen in unserem Haar?
Die haben wir tatsächlich vergessen. Genauso wie den Rest der Hippie Ära, von dem ich Max schon so viel erzählt habe. Nicht ohne Grund. So müssen wir bald wieder kommen. In unsere absolute Lieblingsstadt. An all die Plätze, die uns so gepackt haben. Unsere zwei Herzen zum Glänzen bringen wie Italienische Lichterketten. Wenn wir Chinesische Suppe schlürfen. Und das obwohl wir noch in Amerika sind. Kalifornien. North Beach. San Francisco mit Kind.
Welche Geheimtipps hast Du für einen Trip nach San Francisco mit Kind?
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